15.01.2016 07:50 Alter: 4 yrs

"Junge" Geschichte


Sie lebt in einer niedersächsischen Kleinstadt und besucht die 6. Klasse, als am 11. November 1989 der Grenzzaun in Ellrich geöffnet wird. Die ersten „Zonis“ passieren zu Fuß die Grenze, kurze Zeit später kommen viele in Trabis: Menschen, die sie mit ihren Klassenkameraden begrüßt und mit Bananen und Orangen beschenkt. Das Leben in Bad Sachsa steht plötzlich Kopf, die Läden können ihre Regale gar nicht so schnell befüllen, wie sie Ware verkaufen. Und die Menschen, die der Grenzöffnung nicht trauen, müssen in Notlagern untergebracht werden. Eine Herausforderung für das verschlafene Städtchen, für das die Schilder „Halt! Hier Grenze“ und die Wachtürme der DDR-Grenztruppen bisher zum Alltag gehörten. Er lebt in der ländlich-grünen Umgebung hinter Dresden an der tschechischen Grenze und geht in die 3. Klasse, als Günter Schabowski die allgemeine Reisefreiheit für alle DDR-Bürger verkündet. Die Grenze ist offen – aber die Grenze in den Westen weit weg. Deshalb dauert es einige Wochen, bis die Eltern mit ihm nach West-Berlin fahren. In der Vorweihnachtszeit 1989 besuchen sie die illuminierten Kaufhäuser und der kleine Alex bekommt glänzende Augen, als er die riesige Spielzeugabteilung des KaDeWe durchstreift – so viel Spielzeug hatte er noch nie gesehen! Angela Kirchhoff und Alexander Poprawa erzählen sehr lebendig von ihrem Leben westlich und östlich der Grenze - sie lässig in Jeans, er mit Pionier-Käppi und -Halstuch. Es geht um das, was den Achtjährigen und die Zwölfjährige damals beschäftigte: Musik und Mode Ende der 80er, Schule, Sport und Freundschaften. Es geht um die Klassenkameraden, die plötzlich „abgehauen“ sind, die schöne bunte Welt des West-Fernsehens und die ersten Besuche im „anderen“ Deutschland. Aber auch um die Frage, wer wen bespitzelt hat, und um den Umgang von „Zonis“ und „Wessis“ miteinander. Der Dialog ist frisch und unterhaltsam und wird angereichert mit 80er-Jahre-Hits, privaten Fotos und TV-Beiträgen. Aber es ist auch für ernste Fragen Platz, die die Schülerinnen und Schüler an die beiden Geschichtslehrer stellen. Alles in allem eine gelungene Veranstaltung zu 25 Jahre Mauerfall!